Interview Du für Braunschweig mit Felix Wisbar

Wie bist du auf DU Für Braunschweig aufmerksam geworden?

Ich bin darauf gestoßen, weil ich Anfang des Jahres viel Zeit hatte und ich mir dann einfach gedacht habe: ich habe jetzt in meinem Leben relativ oft das Gefühl, dass ich echt Glück hatte, wie sich das alles so bei mir entwickelt hat. Dann dachte ich mir, du musst mal sowas in der Art zurückgeben und habe dann einfach mal im Internet geschaut, was man so findet. Und tatsächlich war dann die Freiwilligenagentur so das erste, was ich gefunden habe. Ich habe eine Mail hingeschrieben und wurde dann angerufen und so hat sich das dann alles entwickelt.

Wie lange hast du deine Aufgabe gemacht?

Ich arbeite seit Januar für den Freiwilligendienst. Ich habe einen Anruf bekommen, dass die Braunschweiger Tafel in nächster Zeit Unterstützung braucht und ob ich zwei oder dreimal die Woche Zeit hätte. Ich habe gesagt „Ja klar! Ich habe Zeit.“ und dann war ich da das erste Mal und habe mit denen alles besprochen, wie das abläuft und so. Dann habe ich angefangen zu arbeiten. Das waren insgesamt glaube ich drei oder vier Monate, die ich das gemacht habe.

»Sie haben mich mit Lächeln und Freude bezahlt und das war etwas ganz Besonderes.«

Zusätzlich zu deiner Aufgabe bei der Braunschweiger Tafel, warst du auch als Einkaufsbegleitung tätig. Möchtest du dazu gerne noch etwas erzählen?

Parallel zu den Auslieferung hatte mich damals jemand von der Freiwilligenagentur angerufen und gefragt, ob ich noch etwas dazu machen würde. Sie hätten einen älteren Mann, der Hilfe beim Einkaufen bräuchte. Der wohnt nicht so weit weg, also war das kein Problem. Er hat mir dann eine ganz liebe E-Mail geschrieben. Er hat früher viele Drogen genommen und ist seitdem psychisch nicht mehr in der Lage, alleine rauszugehen, weil er Angst hat vor dem Verkehr und vor fremden Menschen. Deshalb ist er darauf angewiesen, dass andere für ihn einkaufen gehen, seine Bankgeschäfte erledigen und sowas. Ich habe das dann einmal gemacht und wir haben uns echt gut verstanden, sodass ich dann immer donnerstags für 2 Stunden für ihn einkaufen gegangen bin. Danach haben wir uns immer noch ein bisschen unterhalten. Er ist jetzt schon 65 und hat schon wahnsinnig viel erlebt. Ich höre ihm immer gerne zu. Er ist wirklich ein intelligenter Mann, von dem kann man viel lernen und deswegen habe ich das auch gerne gemacht.

Seitdem das mit der Tafel nicht mehr ist, haben wir uns jetzt immer donnerstags und sonntags getroffen und am Sonntag sind wir dann immer spazieren gegangen. Er ist ein bisschen dicker und so mussten wir oft Pause machen, weil er nicht so weit laufen konnte. Aber so hat er frische Luft bekommen und konnte mal vor die Tür gehen. Das macht er alleine ja nicht. Und ich fand es cool, dass er mir so vertraut hat und mit mir rausgegangen ist. Er hat mir auch gesagt, dass er dankbar dafür ist und dass ich ihm gut tue. Sowas hört man natürlich gerne. Seit dem 2. 8. mache ich jetzt ein Praktikum in Hannover, sodass ich das natürlich nicht mehr machen kann. Aber wir haben weiterhin Kontakt und ich habe ihm auch Ersatz besorgt, damit er weiterhin Unterstützung hat. Wenn ich dann mal wieder Zeit habe, werde ich ihn bestimmt auch mal wieder besuchen.

Hast du einen persönlichen Bezug zu deiner Tätigkeit?

Nee eigentlich nicht. Als ich mich bei der Freiwilligenagentur registriert habe, habe ich gesagt, ich nehme eigentlich alles. Ob Flüchtlingspatenschaften, Einkaufshilfe, was auch immer. Ich kenne das so, dass man Hilfe braucht, auch von zu Hause. Ich war schon in jungen Jahren auf mich allein gestellt und musste früh mein Taschengeld selbst verdienen. Ich bin dadurch sehr früh erwachsen geworden. Und deswegen habe ich mir schnell diese Eigenschaft angenommen, dass man auch anderen helfen muss. So war mir egal, wem ich helfe, Hauptsache ich kann helfen.

»Sie waren sehr dankbar und das ist dann schon sehr befriedigend.«

Welcher Moment während deiner ehrenamtlichen Tätigkeit ist dir bisher am meisten im Gedächtnis geblieben?

Das schönste war wirklich, dass die Menschen mir ihr Lächeln geschenkt haben, sobald sie die Kisten mit dem Essen bekommen haben. Sie waren sehr dankbar und das ist dann schon sehr befriedigend. Ich kann mich auch noch erinnern, als der allererste mir ein zwei Euro-Stück gegeben hat und richtig dankbar war. Das war ein ganz alter Rentner und der meinte so, er würde mir gerne mehr geben, aber das kann er gar nicht. Ich war dann auch ein bisschen traurig, weil es so schade ist. Er braucht Unterstützung und möchte mir dann auch noch Geld geben. Das braucht er doch selbst. Aber diese Geste ist so was Besonderes.

Hast du während der Freiwilligenarbeit bereits einen Moment erlebt, der auch dein eigenes Leben bereichert hat? Wenn ja welcher?

Ich habe während meiner Tätigkeit gelernt, dass man einfach das Privileg, mit dem wir alle aufgewachsen sind, zu schätzen wissen sollte. Dass man dankbar sein kann. Ich war in Ecken in der Weststadt, das kann man sich eigentlich gar nicht vorstellen, so zu wohnen. Da ging die Tür auf und es stank und man hat den Dreck gesehen und den ganzen Müll und so. Ich habe daraus gelernt, dass ich dankbar dafür bin, wie ich aufwachsen durfte und aufwachsen kann.

»Einfach machen, gibt gutes Karma.«

Was würdest du Leuten raten, die noch zögern sich beim Freiwilligendienst zu melden?

Ich würde denen auf jeden Fall raten, es einfach zu versuchen. Kann ja auch immer sein, dass man sich nach Tagen oder Wochen dazu entschließt, dass es doch nicht das richtige ist. Aber es nicht versucht zu haben würde mich noch viel mehr stören. Und selbst wenn man das abbricht, kann man ja trotzdem sagen: ich habe es versucht, das ist aber nicht meins. Das würde ich den Menschen mit auf den Weg geben. Einfach machen, gibt gutes Karma.

Und ich war auch gar nicht unter Druck. Ich hätte zehn Minuten bevor ich da hätte sein müssen, anrufen und sagen können, ich komme nicht. Ich hätte sogar sagen können ich habe keine Lust und das wäre okay gewesen. Also da war überhaupt kein Druck dahinter oder so.

Man hört ja irgendwie immer, dass wenn man da einmal drin ist, nicht wieder raus kommt und ständig arbeiten muss. Das kann ich gar nicht bestätigen, es war super flexibel. Also probiert es aus.

Redaktion und Interviews: Marie-Christin Grütter & Lynn Zuber – Call The Dude GmbH.

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