Interview zu DU für Braunschweig mit Sarah Brune

Wie bist du auf DU für Braunschweig aufmerksam geworden?

Ich bin darauf aufmerksam geworden, weil ich sowieso schon bei der Freiwilligenagentur in diesem Programm registriert bin. Ich habe darüber eine Flüchtlingspatenschaft. Ich folge der Freiwilligenagentur online auf Social Media und dort haben sie dafür Werbung gemacht. Dadurch bin ich darauf aufmerksam geworden und habe mich dann direkt zu Anfang des ersten Lockdowns im März 2020 registriert.

Was waren deine Aufgaben und wie lange hast du diese gemacht?

Im April 2020 wurde ich angerufen, dass jemand gesucht wird, der an der Rezeption im Altenheim aushilft. Die Damen an der Rezeption waren zu diesem Zeitpunkt erkältet und damals wusste man ja noch nicht so genau, ob das jetzt Corona ist oder nicht. Deswegen sind die erstmal ausgefallen und dann wurde eine Person benötigt, die vor allem da sitzt und die ganzen persönlichen Sachen annimmt, die die Angehörigen vorbei gebracht haben. Die durften ja nicht mehr rein ins Altenheim und haben dann immer an der Tür Zeitschriften und andere Dinge abgegeben und ich habe es dann angenommen und an die Bewohner weitergeleitet. Das war aber nur eine Woche, in der ich ausgeholfen habe. Ein paar Monate später kam dann die Impfpatenschaft. Da habe ich aber tatsächlich auch nur eine gehabt. Eine ältere Dame, die war nach einem Schlaganfall nicht mehr gut auf den Beinen. Ich habe sie dann mit dem Auto abgeholt von zu Hause und habe sie zum Impfzentrum begleitet. Ich bin mit ihr diese ganzen Stationen durch gegangen. Das ist glaube ich ein bisschen schwierig für viele, überhaupt zu verstehen, wo man hin muss. Auch wenn das im Impfzentrum ganz gut gemacht ist.

Die Impfpatenschaft ist natürlich schon ausgelaufen, aber die Flüchtlingspatenschaft habe ich auch weiterhin.

»Man kann sich die ehrenamtliche Tätigkeit komplett flexibel einteilen.«

Wie ist hoch ist dein wöchentlicher Zeitaufwand?

Man konnte bei der Registrierung angegeben, wie man arbeitet, ob man pensioniert ist, Student oder berufstätig. Danach richtet sich die Freiwilligenagentur dann. Mich hatten sie damals als Studentin drin. Das stimmt jetzt nicht mehr ganz, aber ich habe gesagt, ich mache das trotzdem. Also ich springe gerne kurzfristig ein für diese Patenschaften, aber auf Dauer kann ich nicht so viele Personen begleiten, weil ich eben nicht von der Arbeit weg kann. Ich promoviere an der Uni, da bin ich noch relativ flexibel, muss aber natürlich trotzdem etwas auf meine Zeiten gucken. Aber das ist bei der Freiwilligenagentur gar kein Problem. Man kann sich die ehrenamtliche Tätigkeit komplett flexibel einteilen.

»Die Zeit kann ich sinnvoller nutzen.«

Was war dein persönlicher Anreiz? Was hat dich dazu bewegt Freiwilligenarbeit zu leisten?

In der Schule war ich in der katholischen Jugend und habe total viele soziale Programme mitgemacht. Dann habe ich etwas Naturwissenschaftliches studiert und irgendwie hat mir nebenbei das Soziale gefehlt. Ich habe dann geguckt und wusste gar nicht, was ich machen kann, um da mitzumachen. Dann habe ich die Freiwilligenagentur gefunden und die Flüchtlingspatenschaft erhalten. Die von der Freiwilligenagentur sind generell so cool. Ich hatte mit der Patenschaft gut was zu tun und dann kam der Lockdown und ich musste ins Homeoffice. Ich konnte im Homeoffice aber kaum arbeiten und dachte, die Zeit kann ich sinnvoller nutzen. Also habe ich mich dann da für mehr Tätigkeiten registrieren lassen, weil ich dachte, ich kann jetzt zu Hause sitzen und Däumchen drehen oder ich kann im Altenheim an der Rezeption sitzen und danach noch was für die Arbeit machen.

Hast du während der Freiwilligenarbeit bereits einen Moment erlebt, der auch dein eigenes Leben bereichert hat?

Es sind Momente, wo man so merkt, wie gut man es hat und das zu schätzen weiß. Mein Patenkind ist sehr emotional. Sie ist schon zwei Jahre hier und fängt oft an zu weinen, weil sie weiß, sie kann nie wieder zurück in den Iran, ohne ins Gefängnis zu kommen, weil sie konvertiert ist zum Christentum. Und die Familie ist noch im Iran. Es steht die Todesstrafe darauf, wenn man konvertiert und deswegen kann sie nie wieder zurück. Das ist natürlich sehr emotional. Der Mann von meinem Patenkind hat einen Master gehabt, aber der Master wird hier nicht anerkannt. Aber wenigstens der Bachelor wird anerkannt, aber das ist alles ein bisschen Steine in den Weg legen. Und auch beim Führerschein ist es problematisch. Den sollen sie dann noch mal machen, weil er hier nicht anerkannt wird. Sie hat in der Theorie aber tatsächlich 0 Fehlerpunkte geschafft, obwohl sie die auf Deutsch gemacht hat und im Sprachkurs gerade auf B2 war. Da war sie super stolz.

Aber man müsste viel mehr auf die Schwierigkeiten aufmerksam machen, auch für die öffentliche Wahrnehmung. Mein Patenkind und ihre Familie waren super wohlhabend und hatte ihre eigene Firma. Sie haben zwei Jahre heimlich konvertiert gelebt, aber als das rauskam, wurde alles dicht gemacht, Konto eingefroren, Unterlagen mitgenommen, als rauskam, dass die konvertiert sind. Dann mussten sie fliehen.

»Da findet sich bestimmt für jeden etwas.«

Was würdest du Leuten raten, die noch zögern sich beim Freiwilligendienst zu melden?

Die Freiwilligenagentur hat ganz viele unterschiedliche Projekte. Da findet sich bestimmt für jeden etwas. Also einfach registrieren lassen und ausprobieren. Wie schon gesagt, kann man bei der Registrierung angeben, wie viele Stunden man arbeiten möchte bzw. kann. Also alles ganz flexibel.

Redaktion und Interviews: Marie-Christin Grütter & Lynn Zuber – Call The Dude GmbH.

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